Bahnbetriebswerk

Aus aktuellem Anlass habe ich unter A - Z das Bahnbetriebswerk mit aufgenommen. Nach der Wende immer mehr geschrumpft, mit moderner Technik ausgerüstet und einer guten Auftragslage schreibt das BW schwarze Zahlen. Daher traf es die Mitarbeiter wie eine Bombe, als in der 2. Oktoberwoche die DB AG verkündete, dass auch das Neustrelitzer Werk geschlossen wird. Am 19.10.00 demonstrierten die betroffenen Belegschaften vor dem Verwaltungssitz der DB AG am Potsdamer Platz in Berlin. Nebenstehendes Bild zeigt die Neustrelitzer mit Bürgermeister Rainer Günther. Sicher hat auch er berechtigte Sorgen, wenn man an die Institutionen und Einrichtungen denkt, die während seiner Amtszeit Neustrelitz verlassen haben. Und nun noch das BW!

Die historischen Wurzeln der Reparatur von Schienenfahrzeugen gehen in Neustrelitz bis in das Jahr 1877 zurück, damals für die MFWE (Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn). Bis 1973 war der alte Ringlokschuppen das Hauptgebäude des Werkes. Hier arbeiteten 400 bis 500 Fachleute. Mit der Eröffnung des neuen Werkes in der Adolf-Friedrich-Strasse stieg der Personalbestand auf 1000 Personen. Weiter wurden die Werke Templin und Waren als Zweigstellen in das Neustrelitzer Bahnwerk integriert. Der Personalbestand stieg so auf 1500. Nach der Wende war nichts mehr so wie früher. Doch heute kann gesagt werden, dass das Bahnwerk ein Produktionsprofil hat, was dem neuesten Stand entspricht, 208 Mitarbeiter beschäftigt, schwarze Zahlen schreibt - Und nun wird das AUS für dieses Werk verkündet!


"Strelitzer Zeitung" vom 30. Oktober 2000:

Bahnwerk ist Thema beim Bundestag

Die Situation des Neustrelitzer Bahnwerkes verdeutlichen Andreas Schmidt von der Gewerkschaft der Eisenbahner Transnet und ein Mitglied des Betriebsrates während einer aktuellen Stunde in Berlin beim Bundestag. "Wir haben den Abgeordneten die eindeutige Forderung gestellt, den Erhalt des Werkes zu sichern, und die Bundesregierung aufgefordert, dabei Verantwortung zu übernehmen", so Schmidt. Nach wie vor ist der Werkbestand in Neustrelitz stark gefährdet.

"Strelitzer Zeitung" vom 8. November 2000:

Bahnwerk hofft auf Landeshilfe

Der Betriebsrat des von der Schliessung bedrohten Neustrelitzer Bahnwerkes, Jochen Werner, nimmt an der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtages teil. Er hofft auf Hilfe vom Land zum Erhalt der 200 Arbeitsplätze am Standort. Seitens der Bahn habe es trotz der Proteste keine neuen Signale gegeben, teilte Werner mit. Auch der angekündigte Besuch eines Bahnvorstandes in Neustrelitz stünde noch aus, liess der Betriebsrat wissen.

Inzwischen hat sich auch die Mitgliederversammlung der PDS Mecklenburg-Strelitz auf die Seite der Neustrelitzer Bahnwerker gestellt, sich für den Erhalt des Standortes ausgesprochen. Auf allen Ebenen müssten gemeinsam alle parlamentarischen und ausserparlamentarischen Möglichkeiten genutzt werden, heisst es in einer Erklärung.

"Nordkurier" vom 17. November 2000:

Hoffnungsfunken für Neustrelitzer Werk

Die Deutsche Bahn AG will die geplante Schliessung des Bahnwerkes Neustrelitz noch einmal überprüfen. "Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen", sagte der Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bahn AG, Johannes Keil, gestern in Neustrelitz. Weil sich die Flotte der Bahn verkleinere, würden aber weniger Instandhaltungskapazitäten gebraucht. Wirtschaftsminister Rolf Eggert (SPD) bot der Bahn finanzielle Unterstützung des Landes an, wenn sie den Standort Neustrelitz mit 200 Arbeitsplätzen erhalte.

"Nordkurier" vom 23. Dezember 2000:

Bahnwerk schliesst nicht

Das Neustrelitzer Bahnwerk schliesst zunächst nicht. Ein Ende des Standorts sei "im Moment kein Thema", erklärte der Betriebsrat. Nachdem Mitglieder des Bahnvorstandes in Neustrelitz waren, seien Chancen für eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter geprüft worden. Mit Veränderung sei jetzt frühestens im ersten Quartal 2001 zu rechnen, hiess es.

"Nordkurier" vom 10. Januar 2001:

Gefahr bleibt

Noch schwebt die Angst vor der Schließung über dem Neustrelitzer Bahnbetriebswerk. Das bekamen gestern die PDS-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Angelika Gramkow, sowie der PDS-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch bei einem Besuch im Werk bestätigt. Für das kommende Jahr werden nach derzeitigem Stand keine Lehrlinge angestellt. Die Entscheidung über die Schließung liege beim Bund, so Bartsch.

"Nordkurier" vom 3. März 2001:

Bahnwerk Neustrelitz kurz vor dem Verkauf

Stinnes interessiert - Lehrausbildung ungewiss

Das Bahnwerk Neustrelitz steht offenbar kurz vor dem Verkauf. Wie der potenzielle Bewerber Mathias Stinnes gestern gegenüber unserer Redaktion äusserte, kenne die Bahn seine Vorstellungen, und er wisse um die Anforderungen der Bahn. Auch wenn "der Teufel bei solchen Verhandlungen im Detail" stecke, sehe er derzeit "keine unüberwindbaren Hindernisse". Es bedürfe aber noch weiterer Diskussionsrunden, um "den Deal perfekt zu machen".

Stinnes,unter anderem Geschäftsführer der Ostmecklenburgischen Eisenbahngesellschaft (OME) und im Leichtflugzeugbau sowie der Transport-und Logistikbranche in Neubrandenburg aktiv, plant am Standort Neustrelitz die Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten für die Triebwagen der OME. Außerdem könne das Werk durch seine günstige Lage als Dienstleister "anderen Bahnbetreibern" zur Verfügung stehen.Nach Stinnes` Vorstellungen wären über diesen Weg 100 bis 120 Arbeitsplätze in Neustrelitz zu erhalten.Gegenwärtig beschäftigt die Bahn dort noch 200 Mitarbeiter.

Zum Fortbestand der Lehrausbildung äußerte sich Stinnes zurückhaltend. Die Bahn AG hatte zuvor angekündigt, die Ausbildung einstellen zu wollen. Diese Entscheidung hatte Betriebsrat Jochen Werner gestern bestätigt. Betroffen seien davon nicht nur Lehrlinge der Bahn, sondern auch Jugendliche in einem überbetrieblichen Ausbildungsprojekt von Arbeitsamt sowie Industrie- und Handelskammer.

Stinnes, der sich "als großen Freund der Ausbildung" bezeichnet, sagte, dass er tun wolle, was ihm möglich sei.

"Strelitzer Zeitung" vom 6. März 2001:

Neues Konzept für Bahnwerk wird begrüsst

Stadt sieht "Lösungsansatz"

Eine Übernahme des Neustrelitzer Bahnwerkes durch die Stinnes-Gruppe "wäre ein Lösungsansatz für die Stadt", sagte gestern der stellvertretende Bürgermeister Christian Butzki (CDU). Allerdings müsste diese Lösung auch dauerhaft sein. Die geplanten 120 Arbeitsplätze in dem Logistikunternehmen seien zwar weniger als bislang, aber besser als die Schliessung des ganzen Werkes.

"Strelitzer Zeitung" vom 12. März 2001:

Werks-Situation wird beraten

Thema bei Landtagsgremium

Der Wirtschaftsausschuss des Landtages will sich morgen mit dem Neustrelitzer Bahnbetriebswerk und dessen geplanter Übernahme durch die Stinnes-Gruppe befassen. Der Antrag dazu kam von der PDS-Landtagsabgeordneten Barbara Borchardt, hiess es aus dem Neustrelitzer Wahlkreisbüro der Partei. Borchardt setze sich für eine Koordinierung der Massnahmen im Interesse der Beschäftigten der Region ein.

Unterdessen hat die Bahn angesichts der geplanten Übernahme für den heutigen frühen Morgen Protestaktionen auf dem Neustrelitzer Bahnhof angekündigt.

"Strelitzer Zeitung" vom 13. März 2001:

Bahnwerker schlagen Alarm

Proteste gegen Chefetage und Land

Mit einer Protestaktion auf dem Neustrelitzer Bahnhof haben Mitarbeiter des Bahnbetriebswerkes der Stadt am Montagmorgen zwischen 5 und 8 Uhr auf die drohende Schliessung ihres Betriebes aufmerksam gemacht. Die rund 60 Teilnehmer der Demonstration, darunter auch Auszubildende und Lokführer, waren in ihrer Freizeit dem Aufruf der Gewerkschaft und des Betriebsrates gefolgt. Nach Angaben von Andreas Schmidt, Gewerkschaftssekretär bei Transnet, Gewerkschaft GdeD, sollen der Aktion weitere folgen.

"Die Kollegen sind sehr verbittert. Unser Protest richtet sich nicht gegen den möglichen Verkauf des Bahnbetriebswerkes, sondern gegen die Tatsache,dass sich der Bahnvorstand offensichtlich aus der Verantwortung stehlen will", erklärte Schmidt gegenüber unserer Zeitung. Über 100 der einschliesslich Azubis und werksnahen Jobs fast 300 am Standort existierenden Arbeitsplätze gehörten Bahnwerkern im Alter zwischen 45 und 55 Jahren.Und letzte Informationen der Ostmecklenburgischen Eisenbahn, die Interesse an dem Bahnwerk gezeigt hat (wir berichteten), wiesen nur noch 120 bleibende Stellen insgesamt aus.

"Lizenz zum Vernichten"

Wie aus den mitgebrachten Transparenten und den an Reisende der Frühzüge verteilten Flugblätter hervorging, protestieren die Bahnwerker auch gegen die Politik des Landes. "Es kann nicht sein, dass Gelder aus Schwerin an die Bahn fliessen und diese das als Lizenz zum Vernichten von Arbeitsplätzen begreift", erklärte Schmidt.

Unter den Frühaufstehern am Morgen auch der Neustrelitzer Bürgermeister Rainer Günther (SPD) und der PDS-Kreisvorsitzende Uwe Klann. "Das kann heute nur der Anfang gewesen sein und ich hoffe, dass es nicht zu spät ist", erklärte das Stadtoberhaupt unserer Redaktion. Er habe den Bahnwerkern immer wieder "in`s Stammbuch geschrieben", die Öffentlichkeit zu suchen. Günther kritisierte die "miserable und sicherlich beabsichtigte Informationspolitik des Bahnvorstandes", die die Gerüchteküche anheize. Der Bürgermeister forderte die Neustrelitzer und ihre Nachbarn auf, sich mit den Bahnern zu solidarisieren.

"Nordkurier" vom 17. März 2001:

Bahn will Werk offenbar halten

Die Deutsche Bahn AG will nun das Bahnbetriebswerk Neustrelitz offenbar doch nicht verkaufen. Das teilte der Transnet-Gewerkschaftssekretär Andreas Schmidt gegenüber unserer Zeitung gestern mit. Der Bahnvorstand habe beschlossen, das Werk nicht zu veräussern. Jetzt gehe es darum, dass genügend Aufträge reinkommen, sagte Schmidt. Eine offizielle Bestätigung von der Bahn AG gab es aber zunächst nicht.

"Strelitzer Zeitung" vom 27. Juni 2001:

Bahnwerk soll zum Jahresende Arbeit einstellen

Gewerkschaft zweifelt an Verkaufswillen

Mit harter Kritik hat die Transnet, Gewerkschaft der Eisenbahner, auf die Vorstandsentscheidung der Deutschen Bahn vom gestrigen Tag reagiert, bis Ende 2003 acht Bahnwerke zu schliessen bzw. zu verkaufen. Bereits Ende 2001 soll danach der Neustrelitzer Standort aufgegeben werden, wobei laut Bahnangaben noch immer Verkaufsgespräche für den Betrieb laufen.

"Diese Verkaufsgespräche sind schon dadurch belastet, dass die Deutsche Bahn den Interessenten bereits im Vorfeld mitgeteilt hat, keine eigenen Reparatur- und Wartungsleistungen für das Neustrelitzer Werk zu haben", erklärte Gewerkschaftssekretär Andreas Schmidt gegenüber SZ. "Eine Riesensauerei und Farce ist es zu behaupten, dass die Entscheidung des Landes, den Nahverkehr Ludwigslust-Neustrelitz nicht mehr von der DB bestellen zu lassen, die Schließungsentscheidung begünstigt habe. Die paar Wagen hätten vielleicht Arbeit für 10 Kollegen bedeutet", so Schmidt.

Kooperation nicht gewollt

Der Transnet-Vertreter hob hervor, dass trotz eines eventuellen Kapazitätsabbaus durch Kooperation der DB mit der Ostmecklenburgischenund der Prignitzer Eisenbahn hätte gehalten werden können. Die DB aber wolle Wettbewerb behindern und deshalb keine Reparaturkapazität mehr in Neustrelitz.

Erhebliche Zweifel äusserte der Gewerkschaftssekretär an der Ankündigung der Bahn, für die betroffenen Mitarbeiter in den Werken nach "alternativen Beschäftigungen" zu suchen. "Wo sollen die herkommen,die gibt es auf keinen Fall in der Region." Schmidt kündigte Verhandlungen mit den Arbeitgebern und Aktionen der Arbeitnehmer an."Das können wir uns nicht gefallen lassen", sagte er. Von den Plänen der Bahn AG sind in Neustrelitz 212 Beschäftigte und 50 Azubis betroffen.

Lorenz Caffier, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, betonte, Bahnvertreter und Landesregierung hätten die Arbeitnehmer in Neustrelitz und die Kommunalpolitiker nur hingehalten. Potenzielle Kaufinteressenten hätten durch die Bahntaktik wieder Abstand genommen, ansässige Unternehmen seien durch das Land verprellt worden. Die Landesregierung trage für den Verlust des Bahnwerkes "aufgrund ihrer katastrophalen Verkehrspolitik und ihrer fehlenden Lobby bei der Deutschen Bahn und der Bundesregierung die volle Verantwortung".

Empört über die Bahnentscheidung zeigte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Körner. "Es ist ein Schock und nicht akzeptabel",sagte er. Christian Butzki (CDU), stellvertretender Neustrelitzer Bürgermeister, äußerte "stinksauer" sein Unverständnis über die Entscheidung. Bund und Land seien ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, es habe genügend Druckmittel gegeben.

"Wenn man das unter Aufschwung Ost versteht, verstehe ich die Welt nicht mehr", kritisierte auch Landrat Michael Kautz (SPD). Schließlich sei die Bahn immer noch eine 100-prozentige Tochter des Bundes und dann sei die geplante Schließung fatal.

"Nordkurier" vom 29. Juni 2001:

Ebnet will Jobs bei Bahn retten

Spitzengespräch mit Konzernchef angekündigt

Trotz der angekündigten Schließung des Bahnbetriebswerks Neustrelitz wird sich die Landesregierung bei der Bahn für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze einsetzen. Für Montag kündigte Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) dazu ein Treffen mit dem Bahnchef Hartmut Mehdorn an. Es sei möglich, Arbeitsplätze zu erhalten. "Meine Gespräche mit Mehdorn haben bisher gezeigt, dass die Bahn zu konstruktiven Lösungen bereit ist", sagte Ebnet. Der Vorstand der Bahn AG hatte angekündigt, das Neustrelitzer Werk, in dem mehr als 200 Menschen arbeiten, bis zum Jahresende zu schließen.

"Unser Ziel ist, das Werk in Neustrelitz zu erhalten", sagte Ebnet. Die Frage sei nun, ob die Bahn oder jemand anders das Werk weiter betreibe. Gespräche mit Interessenten würden geführt.

Der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Mecklenburg-Vorpommern, Horst Gibtner, erklärte dagegen, die Bahn bleibe dabei, das Werk zu schließen. Es werde aber versucht, den Neustrelitzer Beschäftigten Arbeitsplätze im Konzern zu vermitteln. Andreas Schmidt von der Eisenbahner- Gewerkschaft Transnet bezeichnete das als "Wunschdenken", da die Bahn bundesweit etwa 46000 Stellen von derzeit 220000 abbauen wolle.

"Strelitzer Zeitung" vom 3. Juli 2001:

Bahnwerker streiken für Erhalt des Betriebs

Zweistündige Arbeitsniederlegung - Gespräche in Berlin

Im Neustrelitzer Bahnwerk ist gestern mit einem Warnstreik der Kampf um den Erhalt des Betriebes, dem zum Jahresende die Schliessung droht, fortgesetzt worden. Zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr legten die Kollegen für 2 Stunden die Arbeit nieder. Wie Andreas Schmidt, Gewerkschaftssekretär der Transnet Gewerkschaft der Eisenbahner, gegenüber Strelitzer Zeitung erklärte, werden ab Mittwoch dieser Woche weitere Maßnahmen der Belegschaft folgen.

In Berlin waren gestern am Abend Gespräche zwischen Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) und Bahnchef Hartmut Mehdorn angesetzt. Wie Gerd Lange, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, gegenüber unserer Zeitung bestätigte, sollte die Zukunft der Bahnwerke, darunter das in Neustrelitz, einen Schwerpunkt der Verhandlungen zwischen den "repräsentativen" Delegationen bilden. Lange kündigte für heute Informationen über den Ausgang des Treffens an.

"Strelitzer Zeitung" vom 4. Juli 2001:

Bahnvorstand bei Gesprächen "störrisch"

Ministerium nicht zufrieden

"Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber es hat auch keinen Abbruch der Gespräche gegeben", kommentierte Gerd Lange, Sprecher des Schweriner Wirtschaftsministeriums, gestern die am Vorabend in Berlin stattgefundene Verhandlungsrunde zwischen Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) und Bagnchef Hartmut Mehdorn. Es bleibe dabei, dass die DB das Neustrelitzer Bahnwerk verkaufen möchte, andernfalls werde es zum Jahresende geschlossen. Hinsichtlich der in Neustrelitz zu erhaltenden Arbeitsplätze zeige sich der Bahnvorstand "ausgesprochen störrisch", so Lange. "Wir wollen aber hier die Arbeitsplätze, und nicht irgendwo", betonte der Sprecher.

Neu sei, dass bei den demnächst wieder stattfindenden Verkaufsverhandlungen das inisterium, dass sich die Arbeitskräfteproblematik nicht aus der Hand nehmen lassen wolle, mit am Tisch sitze. Sicherlich positiv sei, so Lange, dass es nach wie vor Interessenten für den Betrieb gebe, aber "wir können keinen grossen Optimismus verbreiten, die bisherigen Lösungsansätze sind nicht dazu angetan".

"Nordkurier" vom 12. Juli 2001:

Bürger unterschreiben

Zahlreiche Neustrelitzer haben sich gestern in Unterschriftslisten, mit denen für den Erhalt des Neustrelitzer Bahnbetriebswerkes protestiert werden soll, eingetragen. Gewerkschaft und Bahner wollen die Listen noch in dieser Woche am Rande einer Veranstaltung an Bahnchef Mehdorn in Berlin übergeben.

Einen Protestbrief hat die PDS-Kreistagsfraktion an den Minister- und den Landtagspräsidenten gesandt.

"Strelitzer Zeitung" vom 20. Juli 2001:

Bahn bleibt abweisend gegenüber Neustrelitzer Werk

Proteste in Berlin - Verkaufsverhandlungen ohne Reparaturaufträge

Die Zukunft des Neustrelitzer Bahnwerkes sieht weiter düster aus. Bis auf eine Notbesetzung waren gestern alle Beschäftigten des Bahnwerkes Neustrelitz in Berlin. Sie protestierten vor dem Gebäude des Bahnvorstandes gegen die geplante Schliessung ihres Betriebes. "Die Bahn hat ganz klar erklärt, dass sie zwar einen Interessenten für das Werk sucht, aber keine Reparaturleistungen dorthin vergeben wird", sagte Andreas Schmidt von der Gewerkschaft Transnet nach der Demonstration. "Das ist der Todesstoss für das Werk."

Selbst wenn die Ostmecklenburgische Eisenbahngesellschaft (OME) als einer von sechs Interessenten den Neustrelitzer Betrieb übernehmen würde, könnte sie allein die geplanten 80 Arbeitsplätze nicht erhalten. Andreas Schmidt sieht erst ab 120 Arbeitsplätzen ein wirtschaftliches Arbeiten. Schliesslich müssten die Betriebskosten im Werk, nach seinen Schätzungen gut 10 Millionen Mark im Jahr, erarbeitet werden.

3000 Unterschriften

Andreas Schmidt steht gegenwärtig in Verhandlungen mit der Connex-Gruppe aus Frankfurt/Main, die Hauptgesellschafter der OME ist. Dort soll am Montag ein weiteres Gespräch laufen. Sollte das Unternehmen Neustrelitz als Standort auch für andere Projekte sehen, könnte es eine Lösung geben, meinte er.

Nach der Kundgebung übergab der stellvertretende Bürgermeister Christian Butzki (CDU) rund 3000 Unterschriften für den Erhalt des Bahnwerkes an Vertreter des Vorstands. "Ich habe ihnen versichert, dass wir als Stadt für jede denkbare Lösung unterstützend eingreifen werden."

"Die Berliner Demonstration war ein beeindruckendes Signal der Eisenbahner für den Kampf um den Erhalt ihres Bahnbetriebswerkes und nicht zuletzt für den Erhalt eines wesentlichen infrastrukturellen Faktors der Region", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Lorenz Caffier. Wie er waren auch die Mecklenburg-Strelitzer Landtagsabgeordneten der PDS in Berlin an der Seite der Bahnwerker.

Weitere Proteste und eine tägliche Mahnwache vor dem Bahngebäude werden sich anschliessen, so die Gewerkschaft.

"Strelitzer Zeitung" vom 2. August 2001:

Bahnwerker in Berlin auf Posten

Mit halb bearbeiteter Lok-Achse Sicherheitsrisiken angedeutet

Neun Kollegen aus dem Neustrelitzer Bahnwerk haben gestern Mittag vor der Bahnzentrale am Potsdamer Platz in Berlin die Mahnwache übernommen, um gegen die Schliessungspläne des Vorstandes zu protestieren. Bis einschliesslich morgen wollen sie, die Nächte ausgenommen, vor dem Eingang des SONY-Centers bleiben. "Sieht man von dem Frust über die Gesamtsituation ab, so ist die Stimmung in der Truppe gut," berichtete Transnet-Gewerkschaftssekretär Andreas Schmidt am SZ-Telefon. Bei Flugblatt-Aktionen und der Sammlung von Unterschriften werde deutlich, dass auch die Hauptstädter die Sache der Bahner unterstützen. "Verstohlene" Solidaritätsbeweise gebe es auch von den Mitarbeitern der Bahnzentrale.

Die seit einer Woche andauernde Mahnwache von Bahnwerkern aus ganz Deutschland wird von phantasievollen Aktionen begleitet. Trat unlängst ein Feuerschlucker auf, um auf die brenzliche Situation aufmerksam zu machen, so schafften die Neustrelitzer eine halb bearbeitete Lok-Achse auf den Potsdamer Platz. "Eschede lässt grüssen", hiess es unter Anspielung auf das schwere Zugunglück und in Bezug auf weniger Sicherheit im Bahnbetrieb, wenn die Instandsetzungskapazitäten heruntergefahren werden. Die Neustrelitzer schliessen nicht aus, noch einmal die Mahnwache zu besetzen. Im September soll entschieden werden, ob die Aktion fortgeführt wird. "Wir hoffen aber immer noch, dass sich der Vorstand bis dahin bewegt hat", so Schmidt.

"Strelitzer Zeitung" vom 15. August 2001:

Kanzler spricht DB-Chef

Investorensuche für Bahnwerk angemahnt

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Bahnchef Hans Mehdorn aufgefordert, alle Anstrengungen zu unternehmen, um einen geeigneten Investor für das von Schliessung zum Jahresende bedrohte Bahnbetriebswerk in Neustrelitz zu finden. Wie der Neustrelitzer SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Hempel am Dienstag mitteilte, habe er an einem Gespräch zwischen Kanzler und Mehdorn während einer Fahrt mit der Usedomer Bäderbahn von Koserow nach Ahlbeck am gleichen Tag teilgenommen. Dabei sei die Situation rund um das Neustrelitzer Bahnwerk thematisiert worden. Hempel habe im Verlauf des Gespräches auf die Strukturschwäche des Landkreises verwiesen, heisst es in seiner Mitteilung.

Mehdorn versicherte dem Kanzler nach Angaben des Bundestagsabgeordneten noch einmal, dass es in Neustrelitz keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Ebenso wolle der Bahnvorstand auch weiterhin in Sachen Bahnwerk Neustrelitz Gespräche mit der Landesregierung in Schwerin führen.

"Strelitzer Zeitung" vom 16. August 2001:

Interessent für Bahnwerk gefunden

Wirtschaftsministerium will Informationen aber noch nicht bestätigen

Nach bislang nicht bestätigten Informationen hat die Bahn-AG einen neuen Interessenten für ihr Betriebswerk in Neustrelitz gefunden. Wie aus Gewerkschaftskreisen gegenüber der Strelitzer Zeitung verlautete, handele es sich dabei um einen norddeutschen Unternehmer aus der Branche, der sich bereits um Aufträge in der Region bemühe. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin habe beide Seiten zusammengebracht. Allerdings sei noch unklar für den Bewerber,in welchem Umfang die Bahn selbst weiter Aufträge für ihren dann ehemaligen Betrieb in der Kreisstadt habe.

Das Wirtschaftsministerium wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren. "Bewegung ist da, und das freut uns. Wir werden uns aber erst äussern, wenn die Angelegenheit in trockenen Tüchern ist", so der Sprecher des Miniseriums, Gerd Lange. Er ergänzte, dass es auch noch "auf einem anderen Kanal" Verhandlungen gebe.

"Nordkurier" vom 18. August 2001:

Bewegung bei Gesprächen zum Bahnwerk Neustrelitz

Möglicherweise wird ein Teil des Betriebes übernommen

In die Verhandlungen um das zum Jahresende von der Schliessung bedrohte Instandhaltungswerk Neustrelitz ist offensichtlich neue Bewegung gekommen. Mehrere norddeutsche Unternehmen wie die zur Connex-Gruppe gehörende Ostmecklenburgische Eisenbahngesellschaft (OMG) Neubrandenburg und die Verkehrstechnikfirma Eurotrac aus Kiel wollen künftig zumindest ein Teil des Werkes betreiben. Dazu gab es gestern weitere Gespräche mit der Bahn-AG. Nach Informationen von Mathias Stinnes, der an den Verhandlungen beteiligt ist, laufe es wohl darauf hinaus, dass die Bahn die Instandhaltung von Schienentechnik verlagern werde. Gleichzeitig bestehe das Angebot, dass die Bahn die Betreuung von 14 Zügen weiterhin in Neustrelitz belasse. "Wir bekommen wohl nur den kleinen Spatz", äusserte sich Stinnes enttäuscht. Die Bahn hatte zuvor angekündigt, dass ein Investor die Kosten, welche die Schliessung verursachen würde, erhalten werde.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass keine 50 der derzeit rund 200 Jobs erhalten werden können. Die Beschäftigten würden sich am Mittwoch an einer Mahnwache in Berlin beteiligen.

"Nordkurier" vom 18. Dezember 2002:

Bahn verkauft Neustrelitzer Werk

OMB übernimmt Betrieb - "70 Arbeitsplätze gesichert"

Die Deutsche Bahn hat dem Verkauf des Neustrelitzer Reparaturwerks zugestimmt. Danach wird die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH (OMB) den Betrieb erwerben und für 70 Mitarbeiter die Jobs sichern. Wie die Bahn gestern weiter mitteilte, soll der Betriebsübergang am 1. Februar 2003 erfolgen. Monatelange Verhandlungen seien damit erfolgreich abgeschlossen worden. Die Bahn erklärte, sie selbst hätte keine Arbeit mehr für das Werk gehabt. Die OMB wird den Angaben zufolge in Neustrelitz die Instandhaltung sowie die Revision von Schienenfahrzeugen ausführen und mittelfristig die Kapazitäten ausbauen.

"Strelitzer Zeitung" vom 20. Dezember 2002:

Bahnwerk kommt in neue Hände

Entscheidende Verträge ausgehandelt - OMB-Gesellschafter sehen keine "Stolpersteine" mehr

Die Prignitzer Eisenbahn-Holding AG und die Hugo Stinnes KG haben gestern in Ribnitz-Damgarten den Notarvertrag über die Bildung der Ostmecklenburgischen Bahnwerk GmbH (OMB) unterzeichnet. Die neue Gesellschaft mit je 50-prozentiger Beteiligung soll ab 1. Februar kommenden Jahres das Neustrelitzer Bahnwerk mit vorerst 70 Beschäftigten weiterführen (Nordkurier berichtete). Die Deutsche Bahn AG hatte am Dienstag dieser Woche dem Verkauf des Betriebes zugestimmt, um dessen Erhalt seit mehr als einem Jahr gerungen wird.

Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Technik der Bahn AG, äusserte sich zufrieden. "Unser vordringliches Ziel war, in Neustrelitz 70 Arbeitsplätze zu sichern, nachdem wir selbst für das Werk keine Arbeit mehr haben", so Rausch in einer Presseerklärung. Entscheidend für die Bahn AG sei dabei auch die Vergabe von Verkehrsleistungen durch das Land an andere Eisenbahnunternehmen gewesen.

Wie Mathias Stinnes, persönlich haftender Gesellschafter der Stinnes KG, gegenüber dem Nordkurier präzisierte, werde das neue Unternehmen übergangsweise noch knapp die Hälfte seines Auftragsvolumens über DB-Orders realisieren. Der grössere Teil der Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten werde bereits für die Ostmecklenburgische Eisenbahn (OME) und die Prignitzer Eisenbahn ausgeführt.

Pacht mit Kaufoption

Das Werk werde mit Kaufoption zunächst gepacht. Die entscheidenden Verträge, darunter zur Weiterbeschäftigung der 70 Arbeitnehmer, seien mit der Bahn ausgehandelt und paraphiert.


Das wäre es dann wohl?


Nein, das war es nicht! Es geht weiter - mit Erfolg!


1. Februar 2003

Ein Konsortium gründet die "Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH - OMB".


Anfang Mai 2007

Die ARRIVA AG hat alle Anteile der Firma übernommen. Es erfolgt die Umbenennung in:

"ARRIVA WERKE NORD GmbH"



"Nordkurier" vom 2. Dezember 2010:



"Nordkurier" vom 9. Dezember 2010:



"Blitz" vom 19. Dezember 2010



"Strelitzer Zeitung" vom 6. Mai 2011:




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