Carl August Görner


Im 2001 erschienen Buch "Mecklenburg-Strelitz, Beiträge zur Geschichte einer Region" schreibt Matthias Wolf:

... Das Publikum blieb jedoch immer häufiger dem Theater fern, nur wer zum Hof gehörte, musste sich jede Aufführung ansehen. Erst mit Schauspieldirektor Carl August Görner, der durch Märchenspiele wie "Genoveva" (mit der Musik von Luis Huth 1838 in Neustrelitz uraufgeführt) bekannt wurde, konnte sich das gesprochene Wort wieder mehr Gehör verschaffen; Kostengründe unterstützten diesen Wechsel in der Dominanz. ....

Wer war dieser Carl(Karl) August Görner, der immerhin 22 Jahre in Neustrelitz Theatergeschichte schrieb. Das Internet macht es möglich. Ein Internetfreund, Herr Manfred Görner (weder verwandt noch verschwägert mit Carl August) vermittelte mir die Ururenkelin von Carl August Görner. Die in Frankreich lebende Frau Silke Declerck setzte sich mit mir in Verbindung und stellte mir umfangreiches Material zu ihrem Vorfahren zur Verfügung - fangen wir an!

Lebenslauf des C.A. Görner bis zu seinem Wirken in Neustrelitz

Geboren am 29. Januar 1806 in Berlin als Sohn eines höheren Beamten im preussischen Finanzministerium. Die Familie pflegte Kontakte zu den Koryphäen des Berliner Theaters. Besonders Ludwig Devrient interessierte sich für den aufgeweckten Knaben und er weckte in ihm die Lust, Schauspieler zu werden. Das entsprach nicht dem Wunsch der Familie. Deshalb verliess er 1822 das Elternhaus und wanderte bis Stettin, wo er die erste Anstellung erhielt. Sein nächstes Engagement fand er an der herzoglichen Hofbühne in Köthen. Dieses Theater ging ein, er übernahm die Leitung und führte es erfolgreich auf eigene Rechnung weiter.

1827 wurde C.A. Görner als Charakterschauspieler, Oberregisseur und später Direktor an das Hoftheater Neustrelitz berufen. Dort wirkte er 22 Jahre bis zur Auflösung des Hoftheaters 1848.

In seinem Nachruf in einer Hamburger Zeitung wird dazu geschrieben:

... 1827 wurde Görner Regisseur und Charakterdarsteller (später Director) am Hoftheater zu Strelitz, das er 1848 aus Gesinnungstüchtigkeit verließ, indem er sich als "großdeutscher Republikaner" bekundete,...

Weitere Stationen seines Lebens
  • 1848 - 1853 Staatstheater Breslau
  • 1853 - 1855 Friedrich Wilhelmstädtisches Theater Berlin
  • 1855 - 1857 Krollsche Bühne
1857 ging er nach Hamburg und wirkte dort abwechselnd am Stadt- und am Thaliatheater. C.A. Görner verstarb am 9. April 1884 in Hamburg. Nebenstehendes Bild zeigt das Ensemble des Thaliatheaters Hamburg mit Görner (roter Punkt).
Seine Ehe mit Friederike Tomasini

Friederike Tomasini wurde am 09.05.1810 in Neustrelitz als Tochter des Violinvirtuosen Luigi Tomasini geboren. Sie war Opernsängerin am Hoftheater ihrer Vaterstadt. Die Hochzeit zwischen C.A. Görner und Friederike Tomasini fand am 22.05.1832 in Neustrelitz statt. Das Ehepaar hatte zusammen fünf Kinder. Friederike verstarb am 20.03.1886 in Neustrelitz.

Die Nachfahren

Aus der Ehe mit Friederike Tomasini gingen 5 Kinder hervor, die alle in Neustrelitz geboren wurden. Aus seiner zweiten Ehe in Hamburg kamen noch zwei Kinder hinzu, die aber wegen des Neustrelitzbezuges dieses Beitrages nicht weiter erwähnt werden sollen.


Maximilian Theodor Görner

* 12.12.1832 Neustrelitz - + 06.12.1891 Hamburg

Schauspieler

Marie Sophie F. Görner

* 04.11.1838 Neustrelitz - +?

Weitere Angaben nicht bekannt.

Julie Christine B. Görner

* 06.11.1836 Neustrelitz - + 25.05.1900 Neustrelitz

Kammerfrau am Hofe von Neustrelitz

August Caesar H. Görner

* 30.12.1842 Neustrelitz - ?

Weitere Angaben nicht bekannt.

Georg Carl F. Görner

* 23.01.1845 Neustrelitz - 23.10.1916 Hamburg

Er wurde von seinem Vater C.A. Görner für die Bühne ausgebildet und war Schauspieler u.a. in Hamburg, Potsdam, Posen, Stettin, Memel. Vor allem als Charakterdarsteller in komischen Rollen plattdeutscher Stücke (etwa Fritz Reuter) war er geschätzt. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Julia geb. Zweibrück. Ihr Sohn folgte weiter der Familientradition "Schauspieler".

Christine Görner

* 1930 Halle/Saale

Sie ist die letzte bekannte Nachfahrin des Carl August Görner, die der Schauspielerei gefolgt ist.

Schauspielerin und Opernsängerin. Sie war an der Hamburger Staatsoper, in München und vielen anderen Theatern tätig. In ca. 10 Spielfilmen hat sie die Hauptrolle gespielt. Ihre Partner waren u.a. Harald Juhnke, Grete Weiser, Hans Moser, Rudolf Schock. In den 50er bis 70er Jahren war sie in vielen Fernsehproduktionen zu sehen. Sie lebt heute in München und gibt Schauspiel- und Gesangsunterricht.

Sie war mit dem Kammersänger Benno Kusche verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Christian Kusche, der heute in Italien lebt und sich Kusche-Tomasini nennt. Er komponiert Filmmusik u.a. für RTL und z.B. für den Fernsehfilm "Wenn Frauen Prosecco trinken".


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